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Der Burgstall auf dem Parsberg

Graben und Wälle auf dem Parsberg

Der Burgstall auf dem Parsberg liegt im Naherholungsgebiet der Stadt Germing am Germeringer See, aber die Kirche in Puchheim-Ort ist nur ca. 1.200 Meter entfernt. Werner Schmidt hat in der Sonderausgabe der Brucker Blätter 2015, die den Titel „Schlösser, Burgen und Burgställe im Landkreis Fürstenfeldbruck“ trägt und vom Historischen Verein für die Stadt und den Landkreis Fürstenfeldbruck herausgegeben wurde, einen erhellenden Beitrag über die sagen- und legendenumwobene Befestigungsanlage aus dem Mittelalter veröffentlicht. Auszugsweise sei hieraus aus den Seiten 144 bis 147 zitiert:

[…] Die gesamte Burganlage umfasst etwa 3.000 Quadratmeter. Das Kernwerk umfasst lediglich eine Fläche von ca. 80 Quadratmeter, während eine westliche Vorburg 1.200 und eine östliche Vorburg 1.600 Quadratmeter umfasst. Die dreigliedrige Anlage ist von allen Seiten durch Gräben geschützt. Die Gräben sind bis zu 30 Meter breit, und die Wälle haben eine Höhe von bis zu 6 Metern.  Der Burgstall war sicher seit dem 12. Jahrhundert besiedelt und in dieser Zeit wohl auch schon befestigt. Das Fehlen jeglicher Mauersteine lässt darauf schließen, dass das östliche und das mittlere Plateau wahrscheinlich mit Holz- bzw. Fachwerkhäusern bebaut waren.[…]

In Germering und Umgebung befinden sich eindrucksvolle Spuren der Urnenfelder- und Hallstattzeit, der Kelten und der Römer. Deshalb ist es verständlich, dass im Volksmund der Burgstall fälschlicherweise als Kelten- und Römerschanze benannt und bekannt ist, obwohl weder keltische noch römische Funde zutage kamen. […] Nach bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen des Erdwerkes kann eine keltische oder römische Besiedelung ausgeschlossen werden. Durch eine 1993 durchgeführte archäologische Grabung ist es möglich, die Wallanlage in ihrer zeitlichen Stellung auf das hohe Mittelalter, also um das 12. Jahrhundert festzulegen. Seit dieser Zeit war der Burghügel besiedelt und befestigt. […]

Die Burganlage ist strategisch zu begründen. Sie lag an der wichtigen Straße, die von München kommend über den Parsberg zur Amper und weiter zum Lech führte. Dadurch hatte die Anlage nicht nur eine Überwachungs-, sondern sicherlich auch eine Zollfunktion. In einer Urkunde aus dem Jahr 1321 heißt es: „König Ludwig IV., fünfter Wittelsbacher Herzog und Sohn des Gründers von Fürstenfeld, versetzt dem Heinrich von Schwarzenberg u.a. alle Wochen 1 Pfund Münchner Pfenning am Zoll an dem Parsberg“. 1322 nimmt Marquart von Seefeld seine Kinder vom Erbe der „Vogtei Pfaffenhofen am Parsberg“ aus.

Welcher Dynast den Bau der Burg veranlasst hat, ist nicht nachweisbar. […]

veröffentlicht im November 2020

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