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Weihnachtssitzung des Gemeinderates 1959

Zeitzeugnisse aus den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts sind rar. Das Lichtbild, das wir Ihnen zum Auftakt der Reihe „Raritäten aus dem Stadtarchiv“ vorstellen, entstand im Dezember 1959 im Café Göbl, wo sich die Mitglieder des Puchheimer Gemeinderats nach der letzten Sitzung vor Weihnachten zu einem gemütlichen Beisammensein einfanden. Geschickt hat es uns der ehemalige Gemeindebedienstete Emil Hausner, der in der hinteren Reihe links steht und die mit ihm Abgebildeten alle persönlich kannte. Hausner war vom 1. Januar 1959 bis zu seiner Pensionierung am 31. Dezember 1998 bei der Gemeinde Puchheim - zuletzt als Kämmerer - beschäftigt. Neben Hausner standen (von links): Gemeinderat (GR) Josef Göbl, GR Ludwig Schwankhart, GR Paul Kirsinger, GR Johann Furtner, GR Valentin Mainka, der Gemeindebedienstete Wilhelm Lehner und GR Konrad Seitz. Davor saßen (von links): GR Georg Augustin, GR Heinrich Laberer, Zweiter Bürgermeister Josef Leutenstorfer, Erster Bürgermeister Heinrich Müller, GR Johann Jesse und GR Josef Rapp. Nicht abgebildet sind Willi Riedl, Martin Eigelein, Siegfried Bayerl, Josef Erdinger und Andreas Ziereis, die damals ebenfalls dem Gemeinderat angehört hatten.

Dem vorweihnachtlichen Treffen im Café Göbl war die letzte Sitzung des Jahres 1959 vorausgegangen. Der Gemeinderat tagte damals „im neuen Schulhaus Puchheim-Bahnhof“, dem heutigen „Bürgertreff“. Die dortigen Kellerräume, die eigentlich für die Schulküche vorgesehen waren, dienten der Gemeinde von 1956 bis zur Fertigstellung des Rathauses 1966 als Büros für den Bürgermeister und die Verwaltung. Die Tagesordnung zur Sitzung am 21. Dezember 1959 war thematisch wenig weihnachtlich und hätte besser in die Zeit zwischen Allerseelen und Totensonntag gepasst. Es ging nämlich um die Friedhofs- und Bestattungssatzung der Gemeinde Puchheim. Darin wurde die Größe der Gräber und die Höhe der Grabgebühren festgelegt. Bis ins kleinste Detail wurde die Tätigkeit der Friedhofswärter, der Leichenträger, der Leichenfrau und des Totengräbers geregelt. Nichts blieb dem Zufall überlassen, und selbst der letzte Funken Hoffnung für die Betroffenen blieb mit Paragraph 8 der Dienstanweisung für das Bestattungspersonal gewahrt: „Sollten sich an einer Leiche Anzeichen vom Leben zeigen, so ist unverzüglich der nächste Arzt zu verständigen.“

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